
31 Jahre musste ich also werden, um zum ersten Mal nach Griechenland zu reisen. Ich habe schon viele Länder gesehen und muss gestehen, ich bin in Sachen Urlaub deshalb schwer zu beeindrucken und auch schwer zufriedenzustellen. Manchmal habe ich das Gefühl, je mehr wunderschöne Orte man besucht hat, desto süchtiger wird man nach dem gewissen Wow-Effekt, der aber immer schwerer zu erreichen wird, je mehr man schon erlebt hat. Eigentlich bin ich immer mehr für Fernreisen gewesen, je exotischer, desto besser. In diesem Jahr musste ich aber umdenken. Meine Schwangerschaft und meine neuerdings leider sehr präsente Flugangst brachten mich dazu, ein nahes Reiseziel zu wählen. Die Wahl fiel auf Griechenland, denn hier war ich tatsächlich noch nie und es ist auch im September noch schön warm.
Nach langem Recherchieren entschied ich mich für das Anemos Luxury Grand Resort in Kreta. Das Hotel sieht nett aus, ist noch recht neu und hat gute Bewertungen, außerdem sehen die Zimmer schön aus und es gibt eine Zimmerkategorie, in der man als Familie viel Platz hat. Für meine mittlerweile 5-jährige Alice ist es der erste Urlaub dieser Art. Das Hotel bietet eine Art Clubprogramm mit Buffetessen, etwas Animation, Kinderunterhaltung und Abendshows. Nicht zu aufdringlich immerhin, sondern alles recht dezent und hochwertig gehalten. Einerseits war ich skeptisch, andererseits dachte ich, es wäre in der Schwangerschaft einmal ganz angenehm, keine weiten Wege zurücklegen zu müssen und alles unkompliziert an einem Ort zu haben.
Nachdem ich den Flug geschafft hatte, war ich erst einmal erleichtert. Nichtmal eine Bootsfahrt muss ich in diesem Urlaub meistern, das ist schon einmal positiv und auch der Weg vom Flughafen ist nicht allzuweit.
Der erste Eindruck vom Hotel war sehr positiv. Wir bekamen gleich ein Willkommensgetränk und der Check-in wurde nebenbei im Sitzen für uns erledigt. Auf unser Zimmer mussten wir noch einige Zeit warten. Kein Wunder, unser Flug ging auch bereits um 6:00 Uhr morgens. Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen hatten und das erste Mittagessen auf der Insel genossen hatten, ging es auf's Zimmer. Dieses war zwar ganz hübsch, nur leider nicht das, was ich gebucht hatte. Erste Verwirrung stellte sich ein, wo lag jetzt der Fehler, bei mir oder beim Hotel? Wenn man eine teurere Zimmerkategorie mit einem extra Bereich für's Kind erwartet, dann möchte man kein enges Doppelzimmer haben. Also machte ich mich wieder zurück auf den Weg zur Lobby. Es stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist zu beweisen, welche Kategorie man gebucht hatte, wenn die Zimmer überall anders heißen. Ich sah mich schon enttäuscht in's Doppelzimmer zurückkehren, als sich herausstellte, dass der Fehler wohl bei der Buchungsseite lag, die die Zimmerkategorie falsch weitergegeben hatte. Zum Glück war auch ein Zimmer in der richtigen Kategorie frei und bereit und wir konnten sofort umsiedeln. Angekommen im neuen Zimmer mit etwa doppelt soviel Platz, sah die Welt schon wieder deutlich besser aus und wir fühlten uns weniger beengt. Alice hat ihr eigenes Reich im ersten Stock des Maisonette-Zimmers und findet es toll. Sogar ein eigenes Sofa hat sie und viel Platz zum Spielen. Jetzt konnte der Urlaub also beginnen. Am Nachmittag wurde gleich der Pool erkundet. Einer der beiden Pools hat genau die richtige Höhe für Alice. Sie kann gerade so stehen und super schwimmen üben. Schon am 2. Tag schaffte sie es, die ganze Länge ohne Hilfe zu schwimmen. Beim Abendessen merkten wir dann erst, wie viele Menschen wirklich in dem Hotel sind. Tagsüber verteilt sich nämlich alles recht schön und es ist nirgends voll. Wer allerdings zu spät zum Abendessen kommt, muss auf einen Tisch warten. Das Essen ist allerdings wirklich wunderbar und sehr lecker. Alice hat zwar bereits den dritten Tag in Folge Spaghetti Bolognese gegessen, aber es gäbe auch genügend andere Auswahl. Ein paar Kinderklassiker sind jedenfalls immer dabei. Das beruhigt, wenn das Kind jedes Gericht nach seiner Kompatibilität mit der Küche von Mama bewertet. Am zweiten Tag wurde auch der Strand und das Spa getestet, indem ich eine Schwangerschaftsmassage bekam, eine durchwegs gute Erfahrung. Nach einer leider recht zwiespältigen Massageerfahrung zu Beginn meiner Schwangerschaft, war ich etwas skeptisch. Diese hatte nämlich mein Kreislauf gar nicht vertragen. Deshalb öffnete ich von Zeit zu Zeit skeptisch 1-2 Augen, um festzustellen, ob mir schwindelig wurde, aber es war alles im grünen Bereich und sehr angenehm. Meine erste seitlich liegende Massage war ein Erfolg. Auch Thomas ließ sich kurz massieren -15 Minuten Massage bekam man nämlich als Willkommensgeschenk - und war zufrieden. Nachdem Alice allerdings gesehen hatte, dass es auch eine Kinder-Schokoladenmassage gibt, wollte sie auch unbedingt. Ich bin mir da nicht so sicher, ob eine Massage schon so das Richtige für eine 5-Jährige ist, schließlich bleibt sie ungern lange liegen, aber sie versucht sehr angestrengt uns davon zu überzeugen.
Unsere erste Abendshow haben wir auch gesehen. Thomas konnte seine Sommer-Caipirinha-Bilanz etwas aufbessern und ich versuchte einen der alkoholfreien Cocktails, der allerdings doch sehr grapefruitlastig ausfiel, also ziemlich bitter. Es war eine Bauchtanz Show, die irgendwie ziemlich lange dauerte, vor allem da es 3 Nummern gab, bei denen die Tänzerinnen Leute vom Publikum zum Mittanzen holten. Einmal ist ja ganz nett, aber 3 Mal schon ziemlich anstrengend zum Zuschauen, wenngleich Thomas gekonnt mit dem Hintern wackelte. Alice wurde dann zum Schluss auch auf die Bühne geholt. Ich denke, ich habe noch nie ein so unglückliches Gesicht auf einer Bühne gesehen. Die Situation machte ihr Angst.
Naja, schließlich war es dann doch endlich zu Ende, nachdem sich die letzte Nummer mit Publikum über mindestens 3 Lieder gezogen hatte und der Applaus vom Band versuchte uns zum ausgelassenen Klatschen zu motivieren. Am nächsten Tag gab es Abends nur Live-Musik, da konnte ich Alice überzeugen, dass wir das nicht unbedingt sehen müssen. Wir sind gespannt, was noch kommt.










